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Artist: Tangerine Dream

Album: 50 Years Of Phaedra: At The Barbican

Label: Kscope

VÖ: 30.01.2026

50 Jahre nach Phaedra feiern Tangerine Dream ihr Schlüsselwerk live im Barbican – präzise, würdevoll und doch voller analoger Magie.


Man kann über Jubiläen lächeln – oder sie ernst nehmen. Tangerine Dream entscheiden sich hier klar für Letzteres. 50 Years Of Phaedra: At The Barbican ist keine Nostalgie-Show mit Staubschutzfolie, sondern eine selbstbewusste Neudeutung eines Albums, das 1974 die elektronische Musik nachhaltig verschoben hat. Was damals aus Experiment, Zufall und leichtem Kontrollverlust entstand, wird nun mit technischer Klarheit neu vermessen – ohne den Geist zu verraten.

Die große Idee dieser Aufnahme ist ebenso simpel wie kühn: Phaedra erstmals vollständig quantisiert auf die Bühne zu bringen. Was nach akademischer Trockenübung klingen könnte, entpuppt sich als erstaunlich lebendige Erfahrung. Die Sequenzen laufen jetzt messerscharf, die Motive greifen ineinander wie Zahnräder – und trotzdem atmet die Musik. Gerade im direkten Vergleich wird deutlich, wie sehr die einstige Unschärfe Teil des Mythos war. Doch anstatt sie zu imitieren, zeigen Thorsten Quaeschning, Hoshiko Yamane und Paul Frick, was passiert, wenn man dieses Material mit heutiger Präzision ernst nimmt.

Der Barbican-Raum erweist sich dabei als idealer Resonanzkörper. Die Musik wirkt weniger kosmisch-vernebelt als früher, dafür strukturell klar, fast architektonisch. Linien werden nachvollziehbar, Entwicklungen greifbar, Spannungsbögen sauber gezogen. Es ist, als würde man ein bekanntes Gemälde erstmals restauriert sehen – die Farben sind dieselben, aber plötzlich erkennt man Details, die vorher im Halbdunkel lagen.

Besonders stark ist, dass diese Version nicht versucht, den historischen Klang zu kopieren. Stattdessen nutzt die Band genau jene Werkzeuge weiter, die sie selbst einst mitentwickelt hat. Analoge Ästhetik trifft digitale Kontrolle, und genau in diesem Spannungsfeld entfaltet das Album seine Faszination. Das Ergebnis wirkt weder museal noch futuristisch, sondern zeitlos – ein seltenes Kunststück bei einem Werk mit so viel Geschichte.

Am Ende steht ein Live-Album, das mehr ist als ein Denkmal. Es ist ein Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Maschine und Mensch. Für Fans der Berlin School ohnehin Pflicht, für Neugierige ein erstaunlich zugänglicher Einstieg. 50 Jahre Phaedra – und immer noch relevant. Das muss man erst einmal schaffen.

9/10
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