Artist: Thistle Sifter
Album: Forever The Optimist
Label: Dutch Music Works
VÖ: 06.02.2026
Zwischen Hoffnung und Abgrund: Post-Rock mit Haltung
Mit Forever The Optimist spannt Thistle Sifter einen weiten Bogen aus Post-Rock, Ambient und Haltung – schön, wuchtig und unbequemer als zuvor.
Hinter Thistle Sifter steckt Pete Barnes – und das hört man. Nicht im Sinne von Ego, sondern als klare Handschrift: Kino im Kopf, Gitarren wie Nebelschwaden, Synths als langsame Gezeiten. Forever The Optimist ist sein bislang ambitioniertestes Werk und wirkt wie der Punkt, an dem persönliche Verarbeitung endgültig in gesellschaftliche Beobachtung kippt.
Wo frühere Veröffentlichungen stärker nach innen lauschten, richtet dieses Album den Blick nach draußen – und zwar ohne erhobenen Zeigefinger, aber mit spürbarer Dringlichkeit. Die Stücke atmen eine symphonische Weite, ohne sich im Bombast zu verlieren. Post-Rock bleibt hier nicht Kulisse, sondern Träger von Ideen: fragile Ruhephasen stehen neben schwebender Dramatik, Lo-Fi-Texturen reiben sich an cineastischer Größe. Das Ergebnis ist dicht, aber nie überladen.
Thematisch geht es um ökologische Verwüstung, Ausbeutung und das leise Versagen von Systemen, die Wachstum über Menschlichkeit stellen. Dass Barnes sich von Autor:innen wie Monbiot oder El Akkad inspirieren ließ, merkt man dem Album an – nicht als Parolen, sondern als Haltung. Die Musik lässt Raum zum Nachdenken, statt Antworten vorzukauen. Besonders stark: die Verbindung aus Sound und Visuals, die jedem Track eine zusätzliche Bedeutungsebene geben.
Produktion und Arrangement zeigen Mut zur Dynamik. Lange Spannungsbögen werden ausgehalten, kleine melodische Motive kehren wieder, verändern ihre Farbe und bleiben hängen. Dabei wirkt Forever The Optimist erstaunlich zugänglich – selbst für Hörer:innen, die sonst vor Post-Rock-Epen zurückschrecken. Das ist Kunst mit Tiefgang, die trotzdem emotional packt.
Live dürfte das Material noch einmal an Wucht gewinnen. Thistle Sifter haben sich in den letzten Jahren als audiovisuelle Einheit bewiesen, unter anderem auf großen Bühnen und renommierten Festivals. Die aktuelle Besetzung klingt nach Präzision und Atmosphäre statt reiner Lautstärke – genau das, was dieses Album verdient.
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