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Artist: Sean Noonan and the London Symphony Orchestra

Album: The Drummer of Tedworth

Label: Neuma Records

VÖ: 20.02.2026

Jazz, Klassik und Geistergeschichte: Sean Noonan stellt sich mit dem London Symphony Orchestra mutig ins Rampenlicht. 8/10.


Wenn Dir jemand erzählt, ein Schlagzeuger gehöre nach hinten, dann höre besser weg. Sean Noonan hat nämlich beschlossen, genau das Gegenteil zu beweisen – und zwar mit nichts Geringerem als dem London Symphony Orchestra vor (oder besser: hinter) sich.

The Drummer of Tedworth, erschienen am 20.02.2026 via Neuma Records, ist ein 88-minütiges Doppelalbum, das sich jeder bequemen Einordnung entzieht. Jazz? Zeitgenössische Klassik? Rockoper? Hörspiel? Alles – und nichts davon in Reinform. Noonan steht mit Stimme und Schlagzeug im Zentrum, das Orchester wird zur handelnden Figur. Es kommentiert, widerspricht, eskaliert. Hier ist nichts bloße Begleitung.

Lose inspiriert von den unheimlichen Trommelphänomenen aus Joseph Glanvills „Sadduscismus Triumphatus“, verwandelt Noonan die alte englische Geistergeschichte in ein post-theatrales Epos voller Absurdität. Sein Alter Ego Olis, eine körperlose Suchgestalt auf der Jagd nach „Pnoom“, stolpert durch Nebelwelten, trickreiche Seher, polnische Zwerge und sogar marsianische Geflüchtete. Spätestens wenn Benjamin Franklin Opfer eines kosmischen Gedankendiebstahls wird und ein „Stammerjammer“ ins Spiel kommt, weißt Du: Hier gelten eigene Naturgesetze.

Musikalisch ist das ebenso waghalsig. Die Dramaturgie folgt weniger klassischen Suitenformen als einer episodischen Logik. Kurze, bissige Ausbrüche wechseln mit orchestralen Flächen, die an moderne Konzertmusik erinnern. Dann wieder bricht Noonan mit anarchischer Energie hinein, fast wie ein irischer Geschichtenerzähler auf Speed. Das Schlagzeug ist Motor, Erzähler und Provokateur zugleich. Unter der Leitung von Jack Sheen reagiert das LSO flexibel auf diese Impulse, von feinsten kammermusikalischen Texturen bis zu massiven Klangballungen.

Der Humor ist schräg, teilweise grotesk, manchmal bewusst überdreht. Doch unter der absurden Oberfläche liegt eine ernsthafte Frage: Widerstand gegen das Dasein – oder Annahme des Chaos? Noonan entscheidet sich nicht für Pathos, sondern für spielerische Überforderung. Das funktioniert erstaunlich gut, auch wenn die 21 Episoden nicht jede Minute die gleiche Intensität halten. Einige Passagen wirken bewusst sperrig, fast wie ein augenzwinkerndes „Zu viel des Guten“. Aber genau diese Überzeichnung ist Teil des Konzepts.

Dass das Cover von Malcolm Mooney gestaltet wurde, passt ins Bild: Avantgarde-Tradition trifft auf subversive Erzählfreude. The Drummer of Tedworth ist kein Album für nebenbei. Du musst Dich darauf einlassen, Dich treiben lassen zwischen orchestraler Wucht, dadaistischem Theater und rhythmischer Ekstase.

Mit 8 von 10 Punkten ist das hier kein gefälliges Meisterwerk, sondern ein mutiges Statement. Ein Werk für Abenteurer, die keine Angst vor tickelnden Todesfiguren, heiligen Unterhosen und einem Schlagzeuger mit Mikrofon haben. Und ja: Manchmal redefiniert es tatsächlich das Absurde.

8/10
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