Artist: Zack Browning
Album: Rock Galaxy
Label: Neuma Records
VÖ: 20.02.2026
Mathe, Mythos und Marimba: Zack Browning zündet die Rock Galaxy
Zack Browning verschmilzt Kunstmusik, Pop-Puls und Zahlenmystik zu einem energiegeladenen Kosmos aus Struktur und Groove.
Wenn Du glaubst, zeitgenössische Klassik sei verkopft und Pop zu simpel, dann kommt Zack Browning mit „Rock Galaxy“ um die Ecke und hebt diese bequeme Trennung elegant auf. Der Komponist, einst klassisch ausgebildeter Trompeter und zugleich Pop-Pianist, verfolgt seit den 1980ern einen klaren künstlerischen Anspruch: Musik zu schreiben, die ihn als schöpferische Instanz unverzichtbar macht. Das klingt erst einmal nach Theorie – und entfaltet hier doch eine erstaunlich unmittelbare Wucht.
Das Fundament von „Rock Galaxy“ ist ein persönliches Kompositionssystem, gespeist aus dem Flying Star System des Feng Shui und planetarischen Zahlenquadraten. Geburtsdaten, historische Zäsuren und kulturelle Ereignisse werden in musikalische Parameter übersetzt: Melodieverläufe, harmonische Felder und rhythmische Energie entstehen aus Zahlen und Symbolik. Das Ergebnis ist jedoch keine trockene Klangmathematik, sondern Musik mit Körper, Drive und überraschender Direktheit.
Gleich zu Beginn setzt „Sol Prophecy“ mit dramatischer Geste an. Das Werk bezieht sich auf das Sonnenwunder von Fátima und mehrere Erscheinungsdaten – ein spiritueller Rahmen, der sich in dichten rhythmischen Schichtungen und energetischen Impulsen spiegelt. Hier wird deutlich: Browning denkt groß, kosmisch, fast opernhaft in der Anlage, bleibt aber rhythmisch stets am Puls.
„Cosmic Changes“ transformiert die Fünf-Elemente-Lehre in klangliche Bewegung. Feuer, Wasser, Holz, Erde und Metall werden nicht illustrativ vertont, sondern strukturell in die musikalische Architektur integriert. Flöte und Harfe agieren dabei wie zwei Kräfte, die sich anziehen und abstoßen – fein ziseliert, aber nie steril.
Besonders stark gerät „Mercury Music“, das biografische und politische Daten miteinander verschränkt. Hier wird Geschichte in Rhythmus gegossen, gesellschaftlicher Konflikt in perkussive Energie übersetzt. Das ist keine plakative Programmmusik, sondern ein klug konstruiertes Statement, das Du sowohl analytisch durchdringen als auch einfach auf Dich wirken lassen kannst.
Der Titeltrack „Rock Galaxy“ bringt schließlich alles zusammen: persönliche und historische Daten, planetare Strukturen und sogar ein Zitat aus Mozarts Jupiter-Sinfonie. Doch statt musealer Ehrfurcht entsteht hier ein vibrierendes Spannungsfeld zwischen Tradition und Gegenwart. Marimba und Streicher treffen auf kalkulierte Dynamik – und plötzlich wirkt Mozart wie ein Zeitgenosse im interstellaren Jam.
Auch die weiteren Werke zeigen Browning als Komponisten mit Sinn für Ironie und Groove. „Upscale Jammer“ trägt den Jam schon im Titel und spielt virtuos mit der Idee von veredeltem Improvisationsgeist. „Fate and Fusion“ verbindet biografische Schnittpunkte mit einer jazzhistorischen Referenz – eine kluge, emotionale Verschränkung von Privatem und Musikkultur.
Mit „Jupiter LVB“ erweist Browning Beethoven seine Reverenz, indem er dessen Name, Geburtsdatum und ikonische Motive als strukturelle Bausteine nutzt. Das wirkt weder museal noch akademisch, sondern wie ein energiegeladenes Weiterdenken. „Moon Venus“ beschließt das Album mit einer Mischung aus planetarischer Symbolik und Verweisen auf mehrere musikalische „Browns“ – ein augenzwinkerndes, rhythmisch pointiertes Finale.
Über fast 70 Minuten bleibt „Rock Galaxy“ erstaunlich lebendig. Die Besetzungen – von Klavier- und Percussion-Formationen über Marimba und Streichquartett bis hin zum Bläserquintett – sorgen für klangliche Vielfalt. Browning gelingt der Spagat zwischen elaborierter Kunstmusik und unmittelbarer, fast pophafter Energie.
Mit 8/10 Punkten ist „Rock Galaxy“ ein starkes Statement: intellektuell durchdacht, strukturell raffiniert und dennoch mit einem Drive, der Dich nicht im Elfenbeinturm zurücklässt. Hier kollidieren Zahlenmystik, Musikgeschichte und Groove – und aus der Kollision entsteht Funkenflug.
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