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Artist: Sarah Genevieve Burghart Rice

Album: Yet

Label: Neuma Records

VÖ: 20.03.2026

Zwischen Trauma, Satire und Hoffnung entfaltet Sarah Genevieve Burghart Rice ein Neo-Chamber-Album, das dich fordert – und nicht loslässt.

Mit Yet legt Sarah Genevieve Burghart Rice ein Album vor, das sich nicht als bloße Sammlung zeitgenössischer Kammermusik versteht, sondern als künstlerisches Statement. Erschienen am 20.03.2026 über Neuma Records, bewegt sich das Werk im Spannungsfeld von Neo Chamber, Neuer Musik und konzeptueller Erzählung. Zentral ist dabei die Frage: Gibt es einen Ausgang aus innerer und äußerer Gefangenschaft – oder nur einen Spalt in der Tür?

Drei größere Kompositionen strukturieren das Album. Sie unterscheiden sich in Besetzung, Tonfall und Dramaturgie, kreisen aber alle um das Verhältnis von Leiden und möglicher Befreiung.

Die 3 Songs, interpretiert vom Duo Cortona, setzen auf die intime Kombination aus Mezzosopran und Violine. Hier wird es persönlich. Rice verarbeitet eigene Erfahrungen als trans Frau und Lesbe in einer Welt, die nicht immer wohlwollend ist. Doch statt in Larmoyanz zu verharren, arbeitet sie mit Kontrasten: Zerbrechliche Linien kippen in trotziges Aufbegehren, dissonante Reibungen öffnen sich plötzlich in lichte Intervalle. Du hörst Musik, die ihre Stimme sucht – und sie sich nicht nehmen lässt.

Ganz anders, aber nicht weniger bissig, präsentiert sich The Hardscrabble. Gespielt von Nittany Winds unter der Leitung von Tonya Mitchell-Spradlin, entfaltet sich eine groteske Erzählung rund um eine fiktive Komponistenfigur und ihre Ausbeutung. Hier wird mit barocker Anspielung, ironischem Pathos und bewusst überzeichneter Geste gearbeitet. Die Bläser schwanken zwischen autoritärem Gestus und bewusstem Kontrollverlust. Das Stück ist überdreht, klug gebaut und streckenweise herrlich respektlos. Wenn sich das Ensemble scheinbar selbst demontiert, blitzt genau das auf, was das Album verspricht: ein Moment der Emanzipation.

Den emotionalen Kern bildet schließlich Murmurs from Limbo. Mit der Grammy-nominierten Mezzosopranistin Thea Lobo, Countertenor Jordan Rutter-Covatto und einem kammermusikalischen Ensemble entsteht eine nächtliche Meditation über Sterben und Bewusstsein. Die Verwendung mittelenglischer Texte verleiht dem Werk eine historische Patina, ohne museal zu wirken. Vielmehr entsteht eine klangliche Schwebe zwischen Glauben und Zweifel. Die Musik tastet, flackert, verharrt – und gönnt dir nur selten festen Boden unter den Füßen. Gerade das macht ihren Reiz aus.

Rice’ Kompositionsstil ist assoziativ, manchmal surreal, oft bewusst irritierend. Referenzen von mittelalterlicher Vokaltradition bis hin zu literarischen Experimenten blitzen durch, werden aber nicht ausgestellt wie Trophäen. Stattdessen entsteht ein Geflecht aus Zitaten, Brüchen und Neuansätzen. Das kann dich begeistern – oder auch anstrengen. Nicht jeder Moment zündet sofort, manche Passagen wirken konzeptuell stärker als emotional. Doch in ihrer Konsequenz und Eigenständigkeit überzeugt die Gesamtarchitektur.

Mit 7,5 von 10 Punkten ist Yet ein anspruchsvolles, mutiges Album, das sich nicht anbiedert. Es fordert deine Aufmerksamkeit, dein Mitdenken und dein Aushalten von Ambivalenz. Wenn du dich darauf einlässt, bekommst du zeitgenössische Kammermusik, die Haltung zeigt und Diskurs nicht scheut.


7.5/10
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