Artist: PARKWALKER
Album: The Extra Mile
Label: This Charmingman Records
VÖ: 27.02.2026
Zwischen Parkbank und Großstadtflimmern: PARKWALKER gehen die Extrameile
Mit „The Extra Mile“ liefern PARKWALKER entschleunigten Emopop zwischen 90s-Referenz und urbaner Melancholie. Schön, leise, manchmal fast zu vorsichtig.
Wenn Du auf Musik stehst, die nicht sofort die Tür eintritt, sondern höflich anklopft und dann bleibt, bist Du bei PARKWALKER richtig. „The Extra Mile“ ist kein Album für den schnellen Dopaminkick, sondern für den Moment, in dem Du die Hände hinter dem Rücken verschränkst und einfach mal stehenbleibst.
Das Quartett – Hannes und Nicola an den Gitarren, Arnaud am Bass, Armin am Schlagzeug – zelebriert auf seinem zweiten Album eine Form von Emopop, die stark in den 90ern verwurzelt ist, aber nicht nach Nostalgie-Party klingt. Die klar verzahnten Gitarrenlinien, der stetig schiebende Bass und das zurückhaltende Schlagzeug bilden ein Fundament, über dem Nicolas warme Stimme schwebt. Das erinnert durchaus an Bands wie American Football oder Rainer Maria, wirkt aber nicht wie eine Kopie, sondern wie eine zeitgemäße Weiterentwicklung.
Produziert und gemastert wurde das Album von Christian Bethge (u. a. Messer) in den RAMA Studios. Das hört man. Der Sound ist transparent, detailverliebt und angenehm warm, ohne in Watte gepackt zu wirken. Jeder Akkord darf ausklingen, jede Pause hat Bedeutung. Gerade diese Ruhe ist Stärke und Schwäche zugleich. Denn so stimmungsvoll das Album auch ist – manchmal wünscht man sich etwas mehr Mut zur Reibung, einen Ausbruch, der die fragile Idylle kurz erschüttert.
Thematisch kreist „The Extra Mile“ um das Innehalten im urbanen Raum: Park als Rückzugsort, Großstadt als leises Hintergrundrauschen. Diese Atmosphäre zieht sich wie ein roter Faden durch die knapp 36 Minuten Spielzeit. Statt hymnischer Höhepunkte setzt die Band auf Kontinuität, auf das kleine Gefühl zwischen zwei Gedanken. Das ist konsequent, wirkt stellenweise aber fast zu kontrolliert.
Im Vergleich zum Debüt „Distant Phenomena“ wirkt das neue Material fokussierter und klanglich ausgefeilter. Man merkt, dass sich PARKWALKER Zeit genommen haben, ihre musikalische Sprache weiter zu schärfen. Die DIY-Wurzeln bleiben spürbar, gleichzeitig klingt das Album reifer und souveräner. Dass Mitglieder bereits in anderen Projekten wie Tidal Sleep aktiv waren, hört man der Band an – hier spielen keine Anfänger, sondern Musiker mit Szeneerfahrung.
Unterm Strich ist „The Extra Mile“ ein stimmiges, atmosphärisch dichtes Album, das Dich nicht überrollt, sondern begleitet. Es lebt von seiner Zurückhaltung und seiner Detailverliebtheit. Für den ganz großen Wurf fehlt vielleicht ein Moment, der wirklich unter die Haut fährt und dort Spuren hinterlässt. Aber als Soundtrack für einen kühlen Spaziergang durch den Stadtpark funktioniert diese Platte hervorragend.
#amplified #musikmagazin #musicmagazine #news #reviews #PARKWALKER #TheExtraMile #Emopop #ThisCharmingmanRecords #Albumreview #IndieEmo #Slowcore #DIYScene
